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 16  Fliegerisches aus der Schweiz In Schänis, nah am Alpenrand, liegt die Elektroflugschule von Marco Buholzer. Hier in der Schweiz können Interessierte die PPL-Ausbildung auf dem weltweit ersten EASA-zertifizierten Elektroflugzeug starten. Eine Elektroflugschule: Das klingt spannend – und schon fast futuristisch. Wie liess sich eine solche Idee in der Gegenwart realisieren? Marco Buholzer: Die Zukunft ist oft schon da, nur ungerecht verteilt. Bereits 1983 habe ich mit Elektroflugmodellen begonnen zu experimen- tieren. Damals schon sagten viele Experten, dass so etwas doch nicht gehen würde. Da Bat- terietechnologie schon immer zu meinen Inter- essen gehört hat, habe ich alle Entwicklungen in diesem Bereich stets verfolgt. Zudem habe ich immer wieder neue, spannende Entwicklungen im Aviatikbereich verfolgt. So bin ich auf das in der Entwicklung gewesene Elekt- roflugzeug von Pipistrel aufmerksam geworden. Als langjähriger Unternehmer bin ich gewohnt, Risiken einzugehen und an Ideen festzuhalten. Auch wenn das Umfeld noch darüber lacht. Zu- sammen mit Marc Corpataux begleiteten wir seit November 2018 die EASA Zertifizierung der Velis. Und seit dem September 2020 haben wir das erste zertifizierte Flugzeug in Schänis in Betrieb. Dass das Flugzeug funktioniert, haben wir die- sen Sommer mit unserem Weltrekordflug von Schänis bis auf die Nordseeinsel Norderney be- wiesen. Welche angehenden PilotInnen wollen eine E-Flugschule besuchen? Das Flugzeug ist bis auf den Antrieb genau gleich zu fliegen wie die Version mit Verbrennungsmo- tor. Wir halten uns deshalb auch an den bekann- ten Syllabus wie bei jeder PPL Ausbildung. Gut die halbe PPL Ausbildung können wir elektrisch fliegen. Der Rest und die Prüfung erfolgt dann auf der Verbrennerversion Pipistrel Virus. Die gleiche Zelle aber mit Rotaxmotor. Wir stellen fest, dass viele Piloten mit verfallenem PPL wie- der fliegen wollen – allerdings nur noch elekt- risch. Es ist zum ersten Mal möglich, mit einem Flugzeug zu fliegen, das fast keinen Lärm mehr macht. Zudem versuchen wir, auch in anderen Bereichen eine etwas andere, moderne Flug- schule anzubieten. Was bedeuten zusätzliche E-Flugschulen für die GA in der Schweiz? Es ist geplant, dass zehn Flugschulen mit Elekt- roflugzeugen fliegen. Das Programm steht be- reits. Es wurde von Marc Corpataux entwickelt und vom BAZL unterstützt. Die Flugschulen kön- nen die Velis Elektro mieten statt kaufen und so ohne Risiko diese neue Technologie ausprobie- ren. Zudem entsteht dadurch ein flächende- ckendes Ladenetzwerk. So sind schon heute längere Flüge auf andere Flugplätze real mög- lich. Die letzten 12 Monate waren und sind für fast alle Menschen eine grosse Herausforderung, besonders auch für viele Unternehmen. Wie ist es Ihnen ergangen? Wie fast alle Flugschulen stellen wir dieses Jahr eine enorme Nachfrage nach Ausbildungen fest. Trotz mehr als einem Monat verordnetes «COVID- 


































































































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