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20   Nachruf: Werner Eichenberger Text: Philippe Hauser, CEO AOPA Switzerland Am Nachmittag des 28. Juli 1986 wurde ich immer nervöser, stand doch mein PPL-Prü- fungsflug auf dem Flugplatz Buttwil bevor. Damals war noch vieles anders als heute. Mit gerade 38 Stunden Gesamtflugzeit, die ich innerhalb 2 1⁄2 Monaten absolvierte, muss- ten zuerst vor den Augen des Experten zwei von drei Ziellandungen solo geflogen wer- den. Danach stieg der Experte zu, und ein kurzer Navigationsflug inklusive Airwork wurden verlangt. Das war alles. Auch die Theorieausbildung musste noch nicht abge- schlossen sein. Mein Experte war Werner Eichenberger, der wohl als faire, aber auch strenge Persönlich- keit galt. Niemand konnte das Seitenruder zu seiner Zufriedenheit bedienen und das Steuerhorn korrekt halten. Auch ich fing da seine Kritik ein. Der Start in der Cessna 152 verlief problem- los. Alles schien gut zu laufen. Herr Eichen- berger (damals war ich noch nicht per Du mit ihm) hatte bislang nichts Wesentliches aus- zusetzen, was bereits als Erfolg angesehen werden konnte. Aber dann nahm der Prü- fungsflug plötzlich eine unvorhergesehene Wendung. Nach gut 20 Minuten Flugzeit wur- de ich gebeten, den Flugplatz Buttwil über den damals noch existierenden Einflugkreis und die Rechtsvolte anzufliegen. Im Einflug- kreis sank ich auf Gegenanflughöhe hinab, was für ihn eine absolute Katstrophe war. Er wurde sehr nervös und konnte die Landung kaum abwarten. Er wünschte auch, ich solle so schnell als möglich parkieren. Noch bevor ich den Motor auf dem Parkplatz abstellen konnte, rief er meinen zuschauen- den Fluglehrer zu sich, und prasselte dann auf ihn los in der Überzeugung, dass dieser mich falsch ausgebildet hätte. Ein Absinken im Einflugkreis sei unakzeptabel, schimpfte er. Der Fluglehrer stand nur da und nahm die Schelte stillschweigend zur Kenntnis, der- weil ich noch nicht wusste, ob ich bestanden habe. Als Herr Eichenberger sich beruhigt hatte, lief er von dannen, ohne mir das Prü- fungsergebnis bekannt zu geben. Ich musste ihm hinterhereilen, und fragte ihn nach sei- nem Urteil. Die Antwort war kurz und bün- dig: «Ach ja, stimmt, Herr Hauser. Sie haben es gut gemacht, aber der Fluglehrer nicht!» Neun Jahre später arbeitete ich ebenfalls als Fluglehrer in seiner Flugschule. Seine Ge- nauigkeit und Beharrlichkeit, aber auch sei- ne tolle Menschlichkeit und sein enormes Fachwissen habe ich überaus zu schätzen gelernt. Vielen Dank, Werni, dass Du mir so viel beigebracht hast. 


































































































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